Mittwoch, 27. Mai 2009

Dienstag, 26. Mai 2009

The Limits of Control

alleine bei diesem filmposter, den vorab-besprechungen und der sehr gelungenen website verliere ich jedwede kontrolle...MUSS ich sehen. jetzt. sofort. lasst uns beten, dass sich in einem der kleinen, feinen süddeutschen provinz-kinos das malteserkreuz dem jarmusch'schen independent-zaubereien hingibt. denn mit der großstadt, mit der ist es bald erstmal vorbei.

Freitag, 22. Mai 2009

Zitat der Woche

"Früher haben junge Menschen Bands gegründet, heute gibt es 18jährige Krämerseelen, die auf ihren Websites und Xing-Profilen »Kunden« in den Arsch kriechen. Ganze Arbeit, Marktwirtschaft."
Ligne Claire: Teenage Shutdown.

(via UNINFORMATIO, via praegnanz.de)

Dienstag, 19. Mai 2009

Bat for Lashes @ Kulturkirche Köln

Magie, so spricht es wikipedisch, ist die Beeinflussung von Menschen auf übernatürliche Art und Weise mithilfe von Ritualen, Beschwörungsformeln oder ähnlichen Praktiken. Von einzigartiger Leichtigkeit und Eleganz ist da ebenfalls die Rede.
Das muss es sein. Das und mehr noch muss es sein, was Natasha Khan an diesem Abend von der ersten Sekunde an mit mir und den gut 500 anderen Zuschauern in der wunderbaren Kulturkirche in Nippes anstellt - den omnipräsenten Teil von 19jährigen style victims, die den ganzen Abend mehr damit beschäftigt sind, wie Miss Khan oder ihre abgefahrenen Bandkollegen auszusehen und die üblichen Köln-Proleten mal ausgenommen.
Die ersten Minuten stehe ich nur da. Nichts sagen, nicht viel sehen, nur hören. Dass die bald 30 Jahre alte britische Sängerin mit pakistanischen Wurzeln eine traumhaft schöne Stimme hat, war ja bekannt, aber das? Diese Live-Performance? Wow. Ihre Stimme kommt so beeindruckend wunderbar und glasklar, egal in welcher Gestalt sie die Töne ihren dicken Kusslippen entweichen lässt.
Eine gute halbe Stunde zuvor sehe ich mich noch in der taghellen neugotischen Kirche gelangweilt der Vorband Marybell Katastrophy lauschen und mir Sorgen um den Sound machen - was aber nun im Nachhinein definitiv darauf begründet ist, dass die drei Dänen aus Aarhus erstens keine Musik für vor ein Uhr morgens machen und live wohl vor allem auch für sich selbst noch etwas zu experimentell sind.
Nun bin ich gerührt, verzaubert, tauche ein in die Märchenwelt dieses feen- und gleichzeitig hexenartigen Wesens da vorne auf der Bühne, das in seinem gestreiften Kostüm modischer und nicht so hippiesk wie gewohnt daher kommt. Meine erste bewusste Bewegung ist das Klatschen nach „Horse and I“, einem ihrer eingängigsten Songs…und bereits der dritte des Abends! Musikalisch offenbart sich ein perfekt in die Live-Interpretation übertragenes, äußerst fein abgestimmtes Songwriting. Nur einmal gerät das Gefüge ein klein wenig außer Tritt, Natasha dreht sich zu früh vom Mikrophon weg, um der Rhythmus-Sektion zu Einsatz zu nicken. Aaah, wie beruhigend, doch Menschen. Die zahlreich eingebetteten Percussionelemente wirken nie überbordend und beeindrucken in Kombination mit dem zur Schau gestellten Multiinstrumentalismus aller Beteiligten: Charlotte Hatherley wechselt bei fast jedem Song das Instrument, und ich bin mir sicher, Schlagzeugerin Sarah Jones macht bei diesem ‚Spiel‘ mit den zwei Händen, von denen eine eine kreisförmige und die andere eine geradlinige Bewegung machen muss, selbst besoffen und im Schlaf einfach jeden platt. Khan selbst begleitet ihren im Zentrum stehenden Gesang mit Piano, Cemballo, Gitarre und Zitter. Ihre mit den Instrumenten verschmelzende Aura nimmt den ganzen Saal gefangen: nach dem ersten flotteren Stück geht der Applaus bei einigen kurz in ein rhythmisches Klatschen über, wird aber sofort vom demonstrativen Nicht-Mitmachen des Großteils der Menge verurteilt – Ruhe für die Königin...sie spielt die Rassel. Und bewegt sich dabei so anmutig, dass nicht nur den Jungs schwindelig wird. Allgemein wird nun mehr mit dem Hintern gewippt, der zweite Teil wird, getragen von haupsächlich neuen Songs, deutlich discoider. Das Live-Schlagzeug, die Beat-Machine und der Bass kommen deutlich härter als auf den Studioaufnahmen daher, einige Parts erinnern mich dabei fast schon an den Sound von Fever Ray. Die neue Band mit den bereits oben schon erwähnten Damen und Ben Christophers scheint an dieser Soundentwicklung nicht ganz unschuldig sein, was Frau Khan in ihrer Danksagung selbst auch nochmal betont. Ihr selbst scheint es großen Spaß zu machen, sie tanzt sich gegen Ende regelrecht in Trance. In der befinde ich mich bereits seit Sekunde eins dieses fantastischen Konzerts, bei dem selbst diese Hammer-Location zur Nebensache wird, so überzeugt bin ich, dass das, was da auf der Bühne zelebriert wird, in jedem anderen Raum genauso faszinierend funktionieren würde.

(image by rose x)

Dienstag, 12. Mai 2009

Frank Nerdigger #3

Es ist eine Wayfarer, schwarz, aus den frühen Achtziger, genau eine solche, die Woody Allen seit seiner Geburt zu tragen scheint. Dickrandiges Gestell in zwei abgerundete, fast quadratischen Formen mit den typisch abstehen den Öhrchen oben außen. Wow, Sie muss sie gut pflegen, selbst die drei Exemplaren seines in dieser Hinsicht überpeniblen Vaters können da nicht mithalten: Der Lack weist keinerlei Kratzer auf und schickt im Zusammenspiel mit der übermäßig großen Discokugel immer wieder glänzende Lichtblitze zu Frank herüber. Ihre Sehstärke scheint nicht annähernd so schlecht zu sein wie seine eigene, der typische Hornbrillen-Effekt bleibt aus. Nicht schlimm, denkt sich Frank, ihre Augen haben auch so eine Wahnsinnswirkung. Sein Blick bleibt haften wie sonst nur an seinem 22 Zoll Bildschirm und dessen nicht annähernd so schönen Mädchen, sie muss es einfach sein, das ist ein Zeichen, quatsch, es ist das Zeichen, sagt sich Frank immer wieder. Plötzlich läuft es ihm feucht-klebrig die rechte Hand herunter. „Mist!“ schreit Frank der immer mehr nach Achtziger anmutenden elektronischen Musik entgegen und wischt sich die übergelaufene Cola an seiner Cordhose ab. Im gleichen Moment trifft ihn ein harter Schlag genau mittig ins Kreuz. Der Rest seiner Koffein-Brause verteilt sich auf dem lilanen Muskelshirts des wild vor ihm hüpfenden Kerlchens, und von links schreit es ihm ins Ohr: „Ey, Nerdigger, auch n Bier?!“